Ohr

Daith Piercing

Das Daith Piercing wird in die Knorpelfalte direkt über dem Hörgang gestochen (Crus helicis). Diese Knorpelfalte ist nicht bei jedem Menschen soweit ausgebildet, dass dieses Piercing gestochen werden kann. Die Abheilung ist durch die geschützte Lage meist komplikationslos. Es ist ein für den Piercer anspruchsvolles Piercing und sollte deshalb nur von erfahrenen Piercern gestochen werden. Daher auch der Name: die erste Kundin, die das Piercing vom “Erfinder” Erik Dakota gestochen bekam, nannte es Daith nach dem hebräischen “Daath” (Weisheit; Intelligenz). Die Aussprache müsste demnach mit einem geteilten, langen “a”-Laut sein (wie “da-af”) und nicht wie meist ausgesprochen mit einem “ei”-Laut (wie “deif” – wobei das “f” ein englisches “th” ist) – aber das Thema Aussprache von Piercingnamen wird langsam müßig, interessant ist es trotzdem! Dieses Piercing gehört zu den schmerzhafteren Knorpelpiercings und die Heilungsphase ist auch etwas länger als bei anderen Knorpelpiercings.

 

Inner Conch Piercing

Das Inner Conch Piercing wird in der inneren Ohrmuschel gestochen. Es kann dort beliebig platziert werden, man sollte jedoch darauf achten, dass die Kugel von der Rückseite nicht gegen den Schädel drückt. Da das Dehnen der inneren Ohrmuschel extrem unangenehm ist, wird dieses Piercing oft in der gewünschten Größe gestochen bzw. gepuncht. Wenn es entsprechend gestochen wird, ist es nach der Abheilzeit auch möglich einen großen Ring um das Ohr oder als “Orbital” durch ein anderes Piercing hindurch zu tragen. Durch seine geschützte Lage ist die Abheilung meist unkompliziert, beim Stechen ist es jedoch oft schmerzhaft. Als Risiko sollte hier auf jeden Fall die mögliche Beeinträchtigung des Hörens genannt werden. Durch den veränderten Schalleinfall wegen des getragenen Schmucks kann es zu Veränderungen kommen oder eben zu einer Abdeckung des Gehörgangs. Die eigentliche Hörfähigkeit wird aber nicht beeinträchtigt. Da es sich um einen Knorpel handelt, können auch hier durch falsches Piercen (Pistole) Komplikationen während der Heilung, sowie Knorpelschäden und Deformationen auftreten. Darüber hinaus besteht bei einer starken Infektion oder Entzündung dieses Piercings die Gefahr einer Gesichtslähmung; es existiert die Möglichkeit, dass sich eine Infektion über die Lymphen und das Innenohr auf den Gesichtsnerv ausbreitet. Konkrete Fälle sind uns aber nicht bekannt, es gibt lediglich einen Bericht aus den USA in dem die Gefahr aber gebannt wurde nachdem die Frau nach Schmerzen und Taubheitsgefühl im Gesichtsbereich beim Arzt war. Es gilt also wie bei allen Piercings die Pflege ernst zu nehmen und bei Anzeichen von Komplikationen direkt zum Arzt zu gehen! Eine Nebenwirkung ergibt sich ebenfalls durch den Schmuck, selbst mit Plugs lassen sich oft (wie manchmal auch schon durch ein Traguspiercing) keine Knopfkopfhörer mehr tragen ? aber der Klang ist bei großen Kopfhörern eh besser! Das Inner-Conch-Piercing hat übrigens auch einen anthropologischen Ursprung, die Mangebetu (Naturvolk/ Afrika) trugen dieses Piercing genauso wie die Gorak Naths (Sadhu/ Indien), woher auch der alternative Name “Sadu-Piercing” kommt. In Indien hat das Piercing den Namen “Kanphati”, was gespaltenes Ohr bedeutet (“Kan” = Ohr, “Phat” = spalten).

 

Outer Conch Piercing

Das Outer Conch Piercing wird in der äußeren Ohrmuschel gepierct. Es geht zum Rand in das Helixpiercing über, liegt es also am Rand der Ohrmuschel, spricht man von einem Helix Piercing. Wie bei allen Knorpelpiercings empfiehlt sich auch hier das Punchen, größere Punches sind im Outer Conch meistens gut möglich. Analog zum “Sadu Piercing” der inneren Ohrmuschel ist ein alternativer Name des Piercings “Upper Sadu Piercing”.

 

Helix Piercing

Das Helixpiercing wird am äußeren Knorpelrand entlang des Ohres gestochen und
kann dort beliebig platziert werden. Als Schmuck kommen sowohl Ringe als auch kurze Barbells mit verschiedenen Aufsätzen in Frage. Das Helix sollte wie alle anderen Knorpelpiercings auf keinen Fall mit der Ohrlochpistole geschossen werden, da gerade an dieser Stelle die Gefahr für Knorpelschäden, die zur Deformation des Ohres und schweren Entzündungen führen können, hoch ist. Das Piercing sollte gestochen oder gepuncht werden! Während des Abheilens sollte man von Belastungen des Ohres absehen (nicht drauf schlafen), das Helix ist eine sehr exponierte Stelle des Ohres. Das Helixpiercing ist in vielen Kulturen bekannt und traditionell verwurzelt. Während es oft “nur” reiner Ohrschmuck ist, hat(te) es zum Beispiel bei den Dayak (alternativ Dajak oder Dyak) eine tiefere Bedeutung. Die Dayak sind übrigens kein einheitliches Volk, vielmehr ist der Name ein Sammelbegriff für mehrere hundert Volksgruppen und -stämme der Insel Borneo. Trug nun also ein Dayak-Krieger Schmuck aus Bärenzähnen und Glasperlen im oberen Bereich des Ohrs (Helix), so war das ein Zeichen für einen besonders tapferen (erfolgreichen) “Kopfjäger” (als Kopfjagd bezeichnet man die Tötung eines Menschen um dessen Schädel als Kraft bringende oder magische Siegestrophäe zu erbeuten). Bekannt sind (waren) die Dayak übrigens auch noch für anderen Körperschmuck. So sind bei einigen Volksgruppen spezielle Tätowierungsstile entstanden; bei anderen Dayakstämmen gab es den Brauch, dass Männer einen “Penisstab”, einen so genannten Palang oder Apadravya, trugen und bei den Frauen vieler Dayak Stämme sind weit gedehnte Lobes mit Ear-Weights typisch.
Weitere Namen: Ear Head Piercing

 

Rook Piercing

Das Rook-Piercing ist praktisch das Gegenteil vom Helix-Piercing. Dieses Piercing wird in die obere Knorpelfalten zwischen der inneren und äußeren Ohrmuschel (Crura antihelicis) gestochen und geht nach unten in die Platzierung des Snugpiercings über. Es ist, ähnlich dem Daithpiercing, eines der schmerzhaften Piercings. Dazu kommt eine relativ langsame Abheilung, da es sich auch dort um sehr kompaktes, festes Knorpelgewebe handelt, das sehr exponiert am Ohr liegt. Die Belastung beim Schlafen, Telefonieren oder auch nur durch das “Drankommen” im Alltag ist nicht zu unterschätzen. Als Schmuck kann nach der Abheilung sowohl ein Stab als auch ein kleiner Ring getragen werden.
Weitere Namen: Scaffold

 

Anti Tragus Piercing

Das Anti-Tragus Piercing wird in den kleinen Knorpelknubbel der direkt gegenüber dem Tragus und unmittelbar über dem Ohrläppchen liegt gestochen. Dieses Piercing ist nicht bei jedem möglich und es ist oft eines der schmerzhaftesten Piercings am Ohr. Das liegt mitunter an dem in diesem Bereich liegenden Muskel (Musculus antitragicus), der ist zwar weitestgehend ohne Funktion, kann aber beim Piercing getroffen werden, was eben schmerzhaft ist. Die Abheilung kann durch das Schlafen auf dem Ohr verzögert werden, da das Piercing gerade bei einer Schwellung weit außen ungeschützt am Ohr liegt.

 

Lobe Piercing

Das Lobepiercing ist allgemein als “das Ohrloch” im Volksmund bekannt. Es ist das mit Abstand häufigste Piercing und auch das einzige, welches bei uns (leider) zu oft schon an kleinen Kindern zu sehen ist und mit der “Ohrlochpistole” geschossen wird. Die Abheilung ist meist unkompliziert und schnell, da das Ohrläppchen (Lobulus auricularis) aus gut durchblutetem Gewebe besteht und keiner besonderen Körperspannung oder Beanspruchung unterliegt. Die Platzierung ist meist (klassisch) mittig, wobei auch oft mehrere Lobepiercings nebeneinander getragen werden ? alle Piercings des Ohrläppchens bis an den Knorpel des Helixpiercings heran sind Lobe Piercings. Dieses Piercing ist wohl das am meisten gedehnte Piercing. Während die meisten Piercings nur bis zu ca. 10mm gedehnt werden (können), fangen beim Lobe dort erst die “interessanten Größen” an für die es schönen Naturschmuck (Holz, Glas, Stein, usw.) und Motivplugs gibt. Nach oben sind kaum Grenzen gesetzt, bei entsprechender Veranlagung und Anatomie sind Größen von weit mehr als 50mm möglich. Ebenfalls je nach Veranlagung und Anatomie muss man allerdings beachten, dass sich selbst beim Dehnen bis 10mm das Loch nicht wieder von alleine schließen muss. Die Veränderung des Ohrläppchens kann dabei permanent sein und sich nur durch einen chirurgischen Eingriff beheben lassen. Das gleiche gilt für den “Käseschneideeffekt”, der oft durch zu dünnen und zu schweren Schmuck verursacht wird. Möchte man sein Lobe dehnen um z.B. Plugs zu tragen, so besteht auch die Möglichkeit das Ohrloch direkt in einer größeren Größe zu stechen oder mit dem Skalpell entsprechend zu schneiden. Ein Punch kommt dabei eher weniger zum Einsatz, da jedes entnommene Gewebe beim späteren Dehnen fehlt!
Weitere Namen: Ohrläppchen, Ohrloch

 

Forward Helix

Wird das Helixpiercing oben an der “Gesichtseite” des Ohrs gestochen spricht man auch von einem “Inner Helix”, “Forward Helix” oder “Ear Head Piercing”. Der letztere Begriff stammt vom ersten dokumentierten (bekannten) Piercing an dieser Stelle und wurde von Crystal Cross an Elayne Angels Ohr gestochen. An dieser Stelle des Ohrs befindet sich übrigens auch ein Muskel, der “Musculus helicis major” – diese Platzierung kann also ebenfalls schmerzhafter sein und problematischer in der Abheilung.
Weitere Namen: Inner Helix Piercing